Filmgespräch
Im Neue Welt Kino Center in Weiden zeigen wir vierteljährlich am letzten Mittwoch des Monats jeweils einen anspruchsvollen Film, der zur Auseinandersetzung mit einem konkreten Thema anregt.
Deshalb trifft man sich nach dem Film im Foyer des Kinos zum Nachgespräch.
Ein bis zwei kompetente Referenten bzw. Gesprächspartner, manchmal sogar mehr, sind immer dazu eingeladen.
Im Weidener „Der neue Tag“ wird regelmäßig über die Filmgespräche berichtet.
Nächste Termine:
"Unter Kontrolle" (D 2011)
Mi, 25.01.2012, 19:30 Uhr
Ort: Weiden, Neue Welt - Kinocenter, Fichtestr. 6
Referenten: Reinhard Hese, Dipl. Physiker
Klaus Rettig, Bayreuth,
evang. Pfr. i. R. und WAA-Gegner
Franz Kunz, Mitterteich, BI gegen Atommüll im Stiftl. (Mitterteich)
Gebühr: € 5
Beschreibung:
Unfälle - "nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen". Der Traum von einer sauberen Atomkraft ist ausgeträumt. Der tiefe Glaube an den unaufhaltsamen technischen Fortschritt ist nachhaltig erschüttert. Was passiert wirklich hinter den Mauern der Kernkraftwerke? Regisseur Volker Sattel besuchte drei Jahre lang deutsche Atomkraftwerke und konnte - völlig unbelastet von Fukushima - unglaubliche Einblicke gewinnen. Mit außergewöhnlicher Kraft und Klarheit zeigt sein - in der Berlinale 2011 vielbeachteter - Film Menschen als irritierende Fremdteilchen in der von ihnen selbst geschaffenen Welt. Wie selbstverständlich gehen sie an ihren Arbeitsplätzen mit der gefährlichsten Materie der Welt um. Bilder machen die monströse Technik dieser modernen "Kathedralen" sichtbar. "Unter Kontrolle" schafft es, die einstige Utopie der "friedlichen Nutzung" der Atomkraft über das Heute ins Morgen zu transformieren. Werden wir tatsächlich so einfach aus dieser Technologie aussteigen können? Welches Erbe hinterlassen wir künftigen Generationen? Die Diskussion fängt gerade erst an.
"Der Dieb des Lichts" (F, KIR, D, NL 2010)
Mi, 29.02.2012, 19:30 Uhr
Ort: Weiden, Neue Welt - Kinocenter, Fichtestr. 6
Gebühr: € 5
Beschreibung:
Ein kleines Dorf in den Weiten Kirgisistans liebt einen Mann - den örtlichen Elektriker Svet-Ake, den man überall nur den »Herrn Licht« nennt. Der vierfache Vater hat ein offenes Ohr - für den Herzschmerz der Dorfbewohner und vor allem für ihre Stromrechnung. Und das ist gut so, denn die Stromkosten in dem kleinen Dorf klettern in astronomische Höhen. Kaum kann sich noch jemand das Licht im Dunkel leisten. So lässt Svet-Ake die Stromzähler der Nachbarn auch schon mal rückwärts laufen - bis er mit dem Gesetz in Konflikt gerät und seinen Elektriker-Posten verliert. Doch Herr Licht hält fest an einer kühnen Vision, die das Dorf für zukünftige Generationen lebenswert machen soll: einen riesigen Windpark will er bauen. Doch die Unabhängigkeit hat ihren Preis. Um den Windpark realisieren zu können, muss sich Svet-Ake mit dem neuen Bürgermeister arrangieren, der mit einem windigen Investor unter einer Decke steckt und dem es mehr um das eigene Wohl geht.
"Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" (D 2009)
Mi, 28.03.2012, 19:30 Uhr
Ort: Weiden, Neue Welt - Kinocenter, Fichtestr. 6
Diskussionspartner: Dipl. Theol. Beate Eichinger M.A., Regenstauf, Umweltbeauftragte und theologische Referentin der KEB im Bistum Rgbg.
Gebühr: € 5
Beschreibung:
In der Grabeskirche in Jerusalem leben sechs christliche Konfessionen Tür an Tür unter einem Dach und jeder gehört ein kleines Stückchen, das gegen die "Andersgläubigen" verteidigt werden muss. Griechisch-orthodoxe Christen, römisch-lateinische Franziskaner, syrische Christen, armenische Christen, äthiopische Abesinier und ägyptische Kopten; und eine muslimische Familie verwaltet den Schlüssel. Zwar haben sich alle prinzipiell darauf verständigt, ihre Messen so zu legen, dass die Zeremonien der anderen nicht gestört werden. Doch immer geht das nicht. Und so mutet dieser heilige Ort zu manchen Zeiten wie eine babylonische Sprachverwirrung an: Alle zelebrieren ihre Messen in ihren Muttersprachen, parallel dazu begleiten die Franziskaner ihre Zeremonie mit Orgelmusik und von den Orthodoxen vernimmt man byzantinische Gesänge. Zu hohen Festtagen kommt es manchmal zu absurden Schlachten religiöser Leidenschaft, die Prozessionen geraten sich gegenseitig in die Quere und Gläubige aus aller Welt verkeilen sich untereinander. Aber nachts, wenn die unfreiwillige Wohngemeinschaft in der Kirche eingeschlossen ist, beten die Mönche vor dem Grab. Dann verwandelt sich die Kirche in einen mystischen Ort der Hingabe und Sehnsucht nach erfülltem Glauben.
Zum Gespräch: Die ausgesprochene Stärke des Films ist, dass er niemanden vorführen will, sondern sich aufs Vorführen beschränkt. Er lässt die Bilder für sich sprechen und den Rest erledigen die Protagonisten selber - zum Teil im Interview. Filmemacher Hajo Schomerus wertet nicht, sondern ist Beobachter eines bunten und zuweilen furiosen Treibens innerhalb des christlichen Glaubens. Im Gespräch soll das Skandalon der getrennten christlichen Konfessionen zur Sprache kommen, aber auch die besondere Situation der Christen im Nahen Osten und die tiefe Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander unterschiedlicher Gruppierungen.
"Habemus Papam" (F,I 2011) - Ein Papst büxt aus
Mi, 30.05.2012, 19:30 Uhr
Ort: Weiden, Neue Welt - Kinocenter, Fichtestr. 6
Gebühr: € 5
Beschreibung:
Die Kirchenglocken läuten, weißer Rauch steigt in den Himmel und Abertausende auf dem Platz vor dem Petersdom harren in froher Erwartung. Doch Kardinal Melville ereilt Panik. Man hat ihn zum Papst gewählt. Was soll er bloß tun? Er kann sich der Welt nicht zeigen - und tut es auch nicht. Schon bald ist die ganze Welt in Sorge, während der Vatikan verzweifelt nach Lösungen sucht. Wie der Papst selbst auch, nur eben auf seine Art: Er ergreift die Flucht ...Mit einem großartig sanften Michel Piccoli, dessen Kardinal Melville ebenso viel Verletzlichkeit wie Würde ausstrahlt, zeigt Regisseur Nanni Moretti uns in einem berührenden und zärtlichen, nachdenklichen und zugleich ironisch komischen Film das Oberhaupt der katholischen Kirche vor allem von der menschlichen Seite. Sein Papst, der keiner sein will, führt vor, wie viel Kraft und Mut es kostet, einer großen Aufgabe mit Demut und Zweifeln anstatt mit nach Macht ringendem Pragmatismus zu begegnen.