Abschied vom Gebäude der Johanneskirche in Kirchenthumbach

Entwidmung Johanneskirche
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Die Johanneskirche in Kirchenthumbach (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) ist seit der Einweihung im Jahr 1966 Versammlungsort der Evangelischen in dem kleinen Ort in der nördlichen Oberpfalz. Am 9.Juli verabschiedete sich die Gemeinde mit einem Gottesdienst von diesem Gebäude. Dazu kam Regionalbischof Klaus Stiegler aus Regensburg nach Kirchenthumbach. Dekan Guba, der Geschäftsführende Pfarrer Thomas Berthold sowie mehrere Gemeindemitglieder und der Chor "New Voices" gestalteten den Gottesdienst zur Entwidmung der Kirche mit. Gemeinsam nahmen sie die vielen Erinnerungen und persönlichen Erfahrungen in den Blick, die Menschen mit dem Gebäude verbinden.

Regionalbischof Stiegler dankte dem Kirchenvorstand für seine schwere, aber zukunftsweisende Entscheidung.  "Kirche, das sind Steine - und noch viel mehr!" Der wahre Schatz der Kirche sei das Evangelium, die gute Botschaft, dass da ein menschenfreundlicher Gott ist. Diesen Schatz gelte es, unter sich ständig verändernden gesellschaftlichen Bedingungen zum Strahlen zu bringen. Heute beginne ein neues Kapitel im Leben der Evangelischen in  Kirchenthumbach. "Von nun an ist diese Kirche nicht mehr dem Gottesdienst gewidmet. Sie wird andere Funktionen erfüllen. Gott segne alle, die hier künftig ein- und ausgehen." 

Hintergründe:

Schon seit einigen Jahren nagt der Zahn der Zeit gewaltig an der Kirche: Der Turm hat Risse und schon seit längerem dürfen deshalb die Glocken nicht mehr läuten. In der Kirche hat sich Schimmel gebildet und die Elektrik im Untergeschoss ist aufgrund von Feuchtigkeitsschäden am Gebäude marode geworden, muss also dringend erneuert werden. Die Treppe vor dem Eingang ist eine Stolperfalle und auf dem Vorplatz hat sich der Boden abgesenkt.
Umfassende Renovierungen hätten angestanden. Je nachdem, ob nur die nötigsten Reparaturen erledigt oder alle Schäden behoben werden, reichten die Kostenschätzungen von 10.000 bis 100.000 Euro. Zuviel für die kleine Gemeinde Eschenbach-Kirchenthumbach mit ihren 750 Mitgliedern, von denen rund 200 in Kirchenthumbach leben.

Kirchenvorstand trifft weitreichenden Entschluss
Nachdem auch eine länger beworbene Spendenaktion nicht die notwendigen Mittel zusammen brachte, fällte der Kirchenvorstand am 10. Januar 2022 einen weit reichenden Beschluss: Die Johanneskirche soll entwidmet und verkauft werden.

„Das war keine einfache Entscheidung“, berichtet Pfarrerin Anne Utz. „Es war das Ergebnis eines längeren Weges, den wir seit 2019 in der Gemeinde gemeinsam gegangen sind. Mit einer engagierten Projektgruppe, die eine Zukunftswerkstatt organisiert, sich um Kostenschätzungen und gute Entscheidungsgrundlagen bemüht und viele Gespräche mit Gemeindemitgliedern geführt hat. Mit einem Fundraisingteam, das auf Firmen zugegangen ist und viele kreative Ideen entwickelt hat. Viele haben sich eingebracht.“
Trotzdem seien lediglich zwei Drittel der erforderlichen Mindestsumme von 10.000 Euro zusammen gekommen. „Da die Johanneskirche eine Filialkirche ist, die „Hauptkirche“ der Gemeinde ist die Kreuzkirche in Eschenbach, sind die Chancen auf Zuschüsse von der bayerischen Landeskirche gering“, erläutert Utz. „Irgendwann war dann der Punkt da, wo wir sagen mussten: Wir als kleine Gemeinde können das einfach nicht stemmen. Vor der Abstimmung haben wir gebetet und uns Zeit zur Besinnung genommen. Dann haben wir geheim abgestimmt. Der Beschluss war eindeutig: Wir können das Gebäude der Johanneskirche nicht halten.“

Unter den Evangelischen in Kirchenthumbach schwanke die Stimmung nun zwischen Trauer und Zuversicht, berichtet die Seelsorgerin. „Natürlich gibt es hier Menschen, die sich mit dieser Kirche sehr verbunden fühlen und für die es schwer ist, dass wir uns nun von diesem Gebäude verabschieden, denen das wirklich weh tut. Andere sehen eher die Chancen. Sie sind froh, dass jetzt Klarheit herrscht und denken mit einer gewissen Freiheit in die Zukunft. Ich selbst merke beide Seiten in mir, so widersprüchlich das klingen mag.“
Was mit der Kirche und dem dazu gehörenden Grundstück passiert, ist noch nicht geklärt. Offen ist auch, wo und wie sich das Gemeindeleben in Kirchenthumbach weiter entwickeln wird. Pfarrerin Utz: „Der Kirchenvorstand und die für den Zukunftsprozess gegründete Projektgruppe machen sich nach der nun getroffenen Grundsatzentscheidung dazu intensiv Gedanken. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Möglichkeiten, die wir jetzt haben, und auf die Ideen, die wir entwickeln werden.“

Auf der Gemeindeversammlung am 20. Januar in der katholischen Pfarrkirche in Kirchenthumbach wurde der Beschluss der Gemeinde mitgeteilt und sorgte für intensive Diskussionen.