Brücken bauen und Kontakte knüpfen

Gisela Baur-Pająk
Bildrechte: SG

Eine Grenzlandwanderung und Medienprojekte mit Jugendlichen aus Bayern und Böhmen, Kreativ-Wochenenden mit Kindern im Kloster Tepla, Aktionen mit Schulen und Kindergärten in der Oberpfalz und in Tschechien.

Dies und vieles mehr hat die Projektstelle für Gedenken und Versöhnung bei der Evangelischen Jugend im Dekanat Weiden in den vergangenen drei Jahren angeschoben und bewegt. Ermöglicht wurde all dies durch die Förderung aus Mitteln des Interreg-Programms Ziel ETZ, die Finanzierung der evangelischen Gedenkstättenarbeit in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg durch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sowie durch ergänzende Mittel des Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, des Bezirksjugendrings Oberpfalz, des Amts für Jugendarbeit sowie der Abteilung Ökumene und kirchliches Leben des Landeskirchenamts der ELKB.
Zum Ende der Projektlaufzeit zogen Projektreferentin Gisela Baur-Pająk und Dekan Thomas Guba aus Weiden eine positive Bilanz. Guba bedankte sich bei der Projektreferentin für ihr großes Engagement. „Auch wenn das Projekt nun zuende geht: Es wird etwas bleiben bei allen Teilnehmern und Mitwirkenden“, stellte der Dekan fest. „Sie und Ihre Vorgängerin Tanja Fichtner haben gemeinsam mit Ihrer Kollegin Libuše Kučerová von der Kirche der Böhmischen Brüder in Aš dazu beigetragen, dass Brücken gebaut und wertvolle Kontakte geknüpft wurden zu Menschen diesseits und jenseits der Grenze. Herzlichen Dank für diese wichtige Arbeit!“

 

Grenzlandwanderung
Bildrechte: Projektstelle Gedenken und Versöhnung

Bildergalerie

Ziel des Projektes war, junge Menschen diesseits und jenseits der Grenze zusammen zu bringen und ihnen das Knüpfen von Kontakten zu ermöglichen. Gemeinsam setzten sie sich auch mit den dunklen Seiten der deutschen und deutsch-tschechischen Geschichte im 20. Jahrhundert auseinander. Sie beschäftigten sich mit den Schicksalen von Menschen aus dem Grenzgebiet und trafen Zeitzeugen. Sie besuchten die KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg und andere Gedenkorte in Deutschland und Tschechien,  führten Interviews, drehten Videos und präsentierten ihre Ergebnisse an ihren Schulen oder in den Kirchengemeinden.

Dabei lernten sie, sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden und auch einmal die Perspektive des Gegenübers einzunehmen. Eine sehr wichtige Erfahrung, wie Gisela Baur-Pająk findet: „Natürlich kam dabei auch der Spaß nicht zu kurz. Bei den Aktionen für Kinder wie zum Beispiel den Weihnachtswochenenden stand das Kennenlernen bei gemeinsamen Aktionen sowieso im Vordergrund.

Die Verständigung hat dank der tollen Sprachanimateure vom Koordinierungszentrum für den Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch Tandem und der zweisprachigen Team-Mitglieder sogar bei den schwierigeren Themen sehr gut geklappt. Sie haben großen Anteil daran, dass die Kinder und Jugendlichen ohne große Berührungsängste auf einander zugingen.“

Eine deutliche Zäsur stellte der Beginn des corona-bedingten Lockdowns im Frühjahr 2020 dar. Insbesondere das aufwändig vorbereitete Internationale Jugendtreffen in Flossenbürg zum Gedenken an den 75. Jahrestag der Ermordung von Dietrich Bonhoeffer musste kurzfristig abgesagt werden. Das Theaterprojekt „Peace in Diversity“ und ein Kreativ-Wochenende für Kinder fielen ebenso der Corona-Pandemie zum Opfer. Wo immer möglich, wurden kurzfristig Online-Ersatzangebote auf die Beine gestellt.

Dass die Arbeit der Projektstelle trotzdem viele junge Menschen erreicht hat, verdeutlichte Baur-Pająk anhand einiger Zahlen: „Über 750 Kinder und Jugendliche nahmen an den meist bayerisch-tschechischen Veranstaltungen teil, die von knapp 300 haupt- und ehrenamtlichen, oft selbst noch jugendlichen Team-Mitgliedern getragen wurden. Hinzu kamen unzählige Vorbereitungstreffen und Team-Bildungstage. Über die drei Jahre hinweg waren so mehr als tausend Menschen an den einzelnen Aktivitäten beteiligt.“

Projektpartner
Projektpartner war die Českobratrská církev evangelická – Kirche der Böhmischen Brüder in Aš mit Libuše Kučerová als Projektreferentin.

Weitere Kooperationspartner waren die Bildungsabteilung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, das Amt für evangelische Jugendarbeit in Nürnberg, das Koordinierungszentrum für den Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch Tandem in Regensburg, das Jugendmedienzentrum T1 in Tirschenreuth, die Vereine Spolek Političtí vězni.cz sowie Antikomplex in Prag, das Muzeum Sokolov mit Abteilungen in Jáchymov und Svatavá, das Prämonstratenserstift Tepl, der Theaterverein A BASTA! z.s. aus Plzeň, die Kreisjugendringe Neustadt/Waldnaab und Tirschenreuth sowie der Stadtjugendring Weiden.

Auch viele Kirchengemeinden (z.B. aus Weiden, Tirschenreuth, Wildenreuth, Církev československá husitská – Tschechoslowakische Hussitische Kirche – in Mariánské Lázně, Českobratrská církev evangelická in Karlovy Vary und Plzeň) und Schulen unterstützten Einzelprojekte auf vielfältige Weise, häufig auf der Grundlage bereits bestehender bayerisch-tschechischer Partnerschaften.

Während des Projektes entstanden aber auch neue Partnerschaften wie z.B. zwischen dem Evangelischen Kindergarten Regenbogen Erbendorf und der Mateřská škola Klimentov oder der katholischen Maristen Realschule Cham und dem Gymnázium Jaroslava Vrchlického Klatovy.