Jugendliche bauen geheimes Häftlingsradio nach

Häftlingsradio
Bildrechte: Tomáš Roubíček, Spolek Političtí vězni.cz

Ein geheimes Häftlingsradio und die bewegende Geschichte seiner Erbauer steht im Mittelpunkt eines Wochenendes für junge Leute aus Bayern und Tschechien. Vom 25. bis 27. September machen sie sich gemeinsam auf Spurensuche in Jáchymov im Erzgebirge, dem früheren Joachimsthal. Die Aktion wird organisiert von der Projektstelle für Gedenken und Versöhnung im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Weiden in Kooperation mit tschechischen Partnern.
In Jáchymov, einer von den Kommunisten betriebenen Uranmine, hat sich eine fast unglaubliche Geschichte zugetragen. Einige politische Häftlinge, die dort als Zwangsarbeiter unter schlimmsten Bedingungen schuften mussten, hatten sich in den 50-ger Jahren des 20. Jahrhunderts heimlich ein Radio gebaut. Damit konnten sie sich über Radio Free Europe über die politische Weltlage informieren. Doch leider mussten sie den kostbaren Schatz zerstören, um einer Entdeckung zu entgehen.
Im Herbst 2019 bauten Berufsschüler aus Deutschland und Tschechien gemeinsam das Gehäuse des geheimen Radios nach, das Innenleben wurde vom Verein politictivezni.cz rekonstruiert. Im September werden nun Jugendliche aus Bayern und Böhmen unter fachkundiger Anleitung einen Sender bauen und damit auf Empfang gehen. Sie begegnen Zeitzeugen und erfahren die Geschichte des Radios aus erster Hand. Um die Situation der Häftlinge damals zu verstehen, werden außerdem mehrere Orte der „Joachimsthaler Hölle“ wie Zwangsarbeitslager und die stillgelegte Uranmine besucht.
Da unter den Häftlingen viele Pfadfinder waren, sind für das Wochenende insbesondere Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Alter von 16 bis 26 Jahren eingeladen. Aber auch andere interessierte Jugendliche und junge Erwachsene können sich anmelden. Anmeldeschluss ist am 24. August. Die Teilnahme ist kostenlos, da die Aktion von der Europäischen Union, Programm Ziel ETZ Bayern-Tschechische Republik 2014-2020 und vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert wird.
Weitere Informationen und Anmeldung bei Projektreferentin Gisela Baur-Pająk, gisela.baur-pajak@elkb.de und https://www.ej-weiden.de/gedenken/