Anton Beer-Walbrunn - ein musikalischer Geheimtipp

Eine besondere Entdeckung hat Pfarrer Martin Valeske in seiner kleinen Gemeinde Kohlberg gemacht: Vor einigen Jahren erfuhr er von dem Komponisten und Musikpädagogen Anton Beer-Walbrunn, der ein gebürtiger Kohlberger ist.
Beer-WalbrunnEr wurde am 29. Juni 1864, also vor 150 Jahren, geboren. Die Neugierde des musikalischen Pfarrers war schnell geweckt. Er begann zu recherchieren und stieß auf einen wahren Schatz an Musikstücken, die in der Musikabteilung der Münchner Stadtbibliothek aufbewahrt werden und größtenteils nie verlegt wurden. „Beer-Walbrunns Vater war Lehrer, Mesner und Kantor in der St. Nikolauskirche in Kohlberg. Als er fünf Jahre alt war, bekam er von seinem Vater die ersten Klavier- und Orgelstunden und hat schon in jungen Jahren den Kirchendienst übernommen“, erzählt Martin Valeske. Auch Anton wurde Lehrer. Pfarrer Valeske: „An der Königlichen Lehrerbildungsanstalt in Eichstätt hat ihn Domkapellmeister Dr. Wilhelm Widmann entdeckt und ihm die Aufnahme an die Königliche Akademie der Tonkunst in München ermöglicht. Dort studierte er von 1888 bis 1891 bei Joseph Gabriel Rheinberger.“
An das Studium schloss sich eine längere Phase als freischaffender Komponist an. „Von seinem Gönner und Förderer Adolf Graf von Schack erhielt er in dieser Zeit wichtige künstlerische Impulse. 1901 wurde er als Lehrer für Harmonielehre, Komposition, Kontrapunkt und Klavier an die Akademie der Tonkunst berufen“, so Martin Valeske. Ab 1905 unterrichtete dort auch der befreundete Max Reger, 1908 wurde Beer-Walbrunn schließlich zum Professor ernannt. Zahlreiche Musiker, die es später zu deutlich größerer Berühmtheit brachten als er selber, zählten zu seinen Schülern, darunter Albert Einstein und Carl Orff. Von letzterem kennt Pfarrer Valeske folgendes Zitat: „Er war ein … unglaublich liebenswürdiger Lehrer, eine Spitzweg-Figur mit viel Selbstironie, ein Meister alter Schule mit großem Können und Wissen.“

Beer-Walbrunn starb am 22. März 1929 infolge einer schweren Grippe und hinterließ ein reiches Erbe, das heute allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten ist: Opern, große Orchesterwerke, Konzerte, Kammer- und Kirchenmusik, Lieder und Werke für Orgel oder Klavier.
Martin Valeske: „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte er das musikalische Leben in München maßgeblich mit. Allerdings gab es damals Kritiker, die ihn für zu wenig fortschrittlich hielten. Außerdem drängte er sich nicht in die Öffentlichkeit. Er war ein Musiker, der sich an der Tradition orientierte, sich aber fortschrittlichen Entwicklungen keineswegs verschloss - ein musikalischer Einsiedler in der Zeit des Übergangs von der Spätromantik zur Moderne.“ Die Musik des Oberpfälzers ist für Pfarrer Valeske ein echter Geheimtipp: „Seine Musik lebt von einer wunderbaren Melodik, einer meisterhaften Beherrschung der musikalischen Formen und ist voller Schönheiten, die für jeden anderen Komponisten eine Ehre wären“.

Bei einer Konzertreihe im Herbst 2014 wurden einige der fast vergessenen Werke Beer-Walbrunns erstmals nach langer Zeit wieder an seinem Heimatort Kohlberg und in Weiden aufgeführt. Gerhard Urban, Violinist beim Münchner Rodin-Quartett, ist voll des Lobes für die Musik des Oberpfälzers: „Speziell mit den Shakespeare-Sonetten Op. 34 ist ihm ein ganz großer Wurf gelungen. Aussagekräftig und bilderreich vertont Beer-Walbrunn die wunderbaren Texte nach Willliam Shakespeare in einem ausgewachsenen Liedzyklus (mit zehn Liedern von insgesamt ca. einer halben Stunde Dauer.) Das Klavier ist dabei hochexpressiver, gleichberechtigter Partner und jongliert wirkungsvoll durch die ganze Palette musikalischen Ausdrucks eines farbenreichen Orchesterklangs. Damit stehen die Lieder ganz in der Tradition der großen Komponisten von Orchesterliedern um die Jahrhundertwende.
Es ist längst an der Zeit, diesen großartigen Komponisten einer breiteren Öffentlichkeit zu erschließen.“


Ansprechperson: Hr. Valeske
Pfr. Martin Valeske
Evangelisches Pfarramt Kohlberg
Tel. 09608-288